Lange hat es gedauert bis Kraftklub endlich ihr erstes Album veröffentlicht haben. Nach ihrer EP „Adonis Maximus“, die mich
schon extrem überzeugt hatte, setzen Kraftklub mit „mit K“ noch einen drauf. Aber der Reihe nach.
Die A-Seite oder „Eine Seite der Hymnen“
Die Seite startet mit dem Song „Eure Mädchen“, der schon als Video-Auskopplung bekannt sein könnte. Mal abgesehen davon, dass das Ding schön in die Beine geht, gefällt er mir wegen der nett verpackten Szenekritik und weil die Jungs den Hype, den es schon um sie gibt, selbst runterspielen. Die erste echte Hymne auf der Seite ist aber „Ritalin/Medikinet“ in dem sich die Jungs kritisch mit der Dauerverabreichung von Medikamenten an vermeintlich Hyperaktive und damit störende Kinder auseinandersetzen.
Und so geht es weiter. Nicht nur in dem Lied, sondern auch auf der Platte. Mit „Ich will nicht nach Berlin“ haben es Kraftklub geschafft, das Lebensgefühl, der aus meiner Sicht nettesten zugezogenen Berlinern, einzufangen. Aber auch dieses Lied könnte euch schon bekannt sein. Es folgt gleich die nächste Hymne. „Liebe“ ist eine Hymne auf irrationales Verhalten und für mich der schönste Song, wenn es um verflossene Liebschaften geht, für die man noch immer Gefühle hat.Raus mit dir,
stundenlang auf dem Gang vor der Tür
Bis er es irgendwann kapiert, danke dafür
Hat nichts gebracht, aber der Wille war der
1,2 Pillen am Tag und der Kerl ist normal[…]
Wir nehmen nicht mal Drogen, jetzt nicht mehr
Die letzten Tabletten sind sechs Jahre her
Okay du liebst mich nicht mehr aber du kannst nicht vergessen haben,
wie alles anfing, wie unsre ersten Treffen waren.
Was wir gegessen haben, wo wir gegessen haben
ich erinner mich daran als ob wir dort erst gestern waren.
Und ich hab echt gedacht, dass ich etwas festes hab.
Pech gehabt (wa?), korrekt verkackt.
Naja wie dem auch sei, ich hoffe du weisst,
dass ich auf gar keinen Fall zu Hause sitze und Gedichte für dich schreib!
Und so geht es eigentlich immer weiter. Der Punkt ist: die Jungs machen es einem nicht leicht das „geilste“ von der Platte rauszufischen. Denn auch „Melancholie“ ist die Hymne für alle Leute, die schon mal Songs, Gedichte oder Texte geschrieben haben und merken, wie anders die Welt ist, wenn man sich manchmal einfach traut traurig zu sein. Ob es Absicht war, dass genau nach so einem Song die Tristese einer ostdeutschen „Großstadt“ beschrieben wird, sei mal dahingestellt, aber der Song „Karl-Marx-Stadt“ beschreibt auf nette und ironische Weise, die Handlungsunfähigkeit von Kindern des Ostens und kann durchaus als Hymne auf ihre Herkunft gesehen werden. Und dann müssen sich die Jungs gedacht haben: „ach wo wir schon mal bei Scheiße sind…“. Naja gut, vielleicht war der Übergang auch nicht ganz so, im folgenden Song „Songs für Liam“ rechnen sie jedenfalls mit allem ab, was sie anpisst:
Unzumutbarkeiten wie die neuen Folgen Scrubs,
generell Mario Barth, doch die Leute wollen das.
[…]
Das ist keine Musik, dass sind die Black Eyed Peas.
Wir müssen rausgehen, hier darf man nicht mehr rauchen an der Bar.
Die Welt geht vor die Hunde, Mädchen, traurig aber wahr.
[…]
Uns beide hätte man nicht in der S-Bahn kontrolliert
und Josh Homme hätte nie die Arctic Monkeys produziert.
Vieles wäre nie passiert, Dinge, die vermeidbar sind.
Dann gäb es keinen einzigen romantischen Till Schweiger Film.
Und die Lösung für all´ die Scheiße ist so simpel wie genial. Ein einfacher Kuss. „Und wenn du mich küsst, dann ist die Welt ein bisschen weniger scheiße! “ – bringt dieses Gefühl einfach auf DEN Punkt.
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Die B-Seite – Irgendwie anders….. aber irgendwie auch nicht
Vor allem die Songs „Kein Liebeslied“ und „Wieder Winter“ lassen ahnen, dass sich die Band weiterentwickelt. Nicht unbedingt weil ihre Texte irgendwie tiefgründer werden – und das werden sie schon im Vergleich zu ihrer EP – sondern weil sie anders klingen. Ruhiger, trotzdem dynamisch. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich finde man hört den Unterschied. Auch „Mein Leben“ ist ein hammergeiler Song, der irgendwie anders ist, aber trotzdem ihren Style widerspiegelt. Inhaltlich geht es um Abschnitte im Leben, die mal nicht so gut sind und darum wie einem dann Prahlereien von Anderen auf den Sack gehen. Auch die Songs „Scheissindiedisko“ und „Zu jung“ wurden neu aufgenommen. Dabei wurden – wie im übrigen bei auch andere Songs vom Mixtape – an einigen Stellen der Text verändert. Die lustigste – wenn auch wahrscheinlich nicht ganz freiweillige – Änderung ist aber definitiv in „Scheissindiedisko“. Das Sample aus Peter Fox´ „Schwarz zu blau“ musste wohl entfernt werden und wurde mit folgendem Text – falls wir uns nicht verhört haben
– ersetzt:
So´n Berliner wollte uns das Label nicht geben
O.k. wir sind uns nicht ganz sicher ob genau das gesagt wird – ey Jungs nächstmal weniger verzerren – aber das ist wohl der geilste Ersatz, den man bringen konnte. Vor allem weil es später heißt:
Früher war alles besser, so wie die alte Version
Fazit
Kraftklub haben mich mit „mit K“ musikalisch, textlich und emotional einfach umgehauen. Beim Brötchen-schmieren habe ich mich mehrmals selbst erwischt, wie zuerst mein Hintern, dann meine Beine und schließlich das Messer in meiner Hand im Takt durch die Luft schwingt. Ich kann einfach nur sagen es lohnt!
Und wem das musikalische nicht reicht, dem sei das schöne Design der Platte ans Herz gelegt. Außerdem ist das Vinyl elfenbein-weiß.












































