Eine Hymne auf ein Ablum

Lange hat es gedauert bis Kraftklub endlich ihr erstes Album veröffentlicht haben. Nach ihrer EP „Adonis Maximus“, die mich
schon extrem überzeugt hatte, setzen Kraftklub mit „mit K“ noch einen drauf. Aber der Reihe nach.

Die A-Seite oder „Eine Seite der Hymnen“
Die Seite startet mit dem Song „Eure Mädchen“, der schon als Video-Auskopplung bekannt sein könnte. Mal abgesehen davon, dass das Ding schön in die Beine geht, gefällt er mir wegen der nett verpackten Szenekritik und weil die Jungs den Hype, den es schon um sie gibt, selbst runterspielen. Die erste echte Hymne auf der Seite ist aber „Ritalin/Medikinet“ in dem sich die Jungs kritisch mit der Dauerverabreichung von Medikamenten an vermeintlich Hyperaktive und damit störende Kinder auseinandersetzen.

Raus mit dir,
stundenlang auf dem Gang vor der Tür
Bis er es irgendwann kapiert, danke dafür
Hat nichts gebracht, aber der Wille war der
1,2 Pillen am Tag und der Kerl ist normal

[…]

Wir nehmen nicht mal Drogen, jetzt nicht mehr
Die letzten Tabletten sind sechs Jahre her

Und so geht es weiter. Nicht nur in dem Lied, sondern auch auf der Platte. Mit „Ich will nicht nach Berlin“ haben es Kraftklub geschafft, das Lebensgefühl, der aus meiner Sicht nettesten zugezogenen Berlinern, einzufangen. Aber auch dieses Lied könnte euch schon bekannt sein. Es folgt gleich die nächste Hymne. „Liebe“ ist eine Hymne auf irrationales Verhalten und für mich der schönste Song, wenn es um verflossene Liebschaften geht, für die man noch immer Gefühle hat.

Okay du liebst mich nicht mehr aber du kannst nicht vergessen haben,
wie alles anfing, wie unsre ersten Treffen waren.
Was wir gegessen haben, wo wir gegessen haben
ich erinner mich daran als ob wir dort erst gestern waren.
Und ich hab echt gedacht, dass ich etwas festes hab.
Pech gehabt (wa?), korrekt verkackt.
Naja wie dem auch sei, ich hoffe du weisst,
dass ich auf gar keinen Fall zu Hause sitze und Gedichte für dich schreib!

Und so geht es eigentlich immer weiter. Der Punkt ist: die Jungs machen es einem nicht leicht das „geilste“ von der Platte rauszufischen. Denn auch „Melancholie“ ist die Hymne für alle Leute, die schon mal Songs, Gedichte oder Texte geschrieben haben und merken, wie anders die Welt ist, wenn man sich manchmal einfach traut traurig zu sein. Ob es Absicht war, dass genau nach so einem Song die Tristese einer ostdeutschen „Großstadt“ beschrieben wird, sei mal dahingestellt, aber der Song „Karl-Marx-Stadt“ beschreibt auf nette und ironische Weise, die Handlungsunfähigkeit von Kindern des Ostens und kann durchaus als Hymne auf ihre Herkunft gesehen werden. Und dann müssen sich die Jungs gedacht haben: „ach wo wir schon mal bei Scheiße sind…“. Naja gut, vielleicht war der Übergang auch nicht ganz so, im folgenden Song „Songs für Liam“ rechnen sie jedenfalls mit allem ab, was sie anpisst:

Unzumutbarkeiten wie die neuen Folgen Scrubs,
generell Mario Barth, doch die Leute wollen das.
[…]
Das ist keine Musik, dass sind die Black Eyed Peas.
Wir müssen rausgehen, hier darf man nicht mehr rauchen an der Bar.
Die Welt geht vor die Hunde, Mädchen, traurig aber wahr.
[…]
Uns beide hätte man nicht in der S-Bahn kontrolliert
und Josh Homme hätte nie die Arctic Monkeys produziert.
Vieles wäre nie passiert, Dinge, die vermeidbar sind.
Dann gäb es keinen einzigen romantischen Till Schweiger Film.

Und die Lösung für all´ die Scheiße ist so simpel wie genial. Ein einfacher Kuss. „Und wenn du mich küsst, dann ist die Welt ein bisschen weniger scheiße! “ – bringt dieses Gefühl einfach auf DEN Punkt.


Die B-Seite – Irgendwie anders….. aber irgendwie auch nicht
Vor allem die Songs „Kein Liebeslied“ und „Wieder Winter“ lassen ahnen, dass sich die Band weiterentwickelt. Nicht unbedingt weil ihre Texte irgendwie tiefgründer werden – und das werden sie schon im Vergleich zu ihrer EP – sondern weil sie anders klingen. Ruhiger, trotzdem dynamisch. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich finde man hört den Unterschied. Auch „Mein Leben“ ist ein hammergeiler Song, der irgendwie anders ist, aber trotzdem ihren Style widerspiegelt. Inhaltlich geht es um Abschnitte im Leben, die mal nicht so gut sind und darum wie einem dann Prahlereien von Anderen auf den Sack gehen. Auch die Songs „Scheissindiedisko“ und „Zu jung“ wurden neu aufgenommen. Dabei wurden – wie im übrigen bei auch andere Songs vom Mixtape – an einigen Stellen der Text verändert. Die lustigste – wenn auch wahrscheinlich nicht ganz freiweillige – Änderung ist aber definitiv in „Scheissindiedisko“. Das Sample aus Peter Fox´ „Schwarz zu blau“ musste wohl entfernt werden und wurde mit folgendem Text – falls wir uns nicht verhört haben ;) – ersetzt:

So´n Berliner wollte uns das Label nicht geben

O.k. wir sind uns nicht ganz sicher ob genau das gesagt wird – ey Jungs nächstmal weniger verzerren – aber das ist wohl der geilste Ersatz, den man bringen konnte. Vor allem weil es später heißt:

Früher war alles besser, so wie die alte Version

Fazit
Kraftklub haben mich mit „mit K“ musikalisch, textlich und emotional einfach umgehauen. Beim Brötchen-schmieren habe ich mich mehrmals selbst erwischt, wie zuerst mein Hintern, dann meine Beine und schließlich das Messer in meiner Hand im Takt durch die Luft schwingt. Ich kann einfach nur sagen es lohnt!

Und wem das musikalische nicht reicht, dem sei das schöne Design der Platte ans Herz gelegt. Außerdem ist das Vinyl elfenbein-weiß.

Spontankauf? Na Klar!

Bei meinem einwöchigen Aufenthalt in London ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, auch die örtlichen Plattenläden zu durchstöbern. Eigentlich war ich auf der Suche nach etwas klassischem, wie zum Beispiel einer Clash Platte. Als ich dann jedoch einen Tag lang in Camden unterwegs und auf dem dortigen riesigen Markt in unglaublich vielen Grabbelkisten Platten durchblätterte, fiel mir auf das dort sehr viele Fälschungen – oder auch Bootlegs – zu immensen Preisen verkauft wurden und auch nicht immer zu erkennen waren. Deswegen war ich ab diesem Zeitpunkt eher auf einen Blindkauf fixiert und fand dann nach sehr langer und ermüdender Suche endlich einen Plattenladen mit einer Hardcore Abteilung.

Stöbern, Blättern, Lesen, Preis checken, sich für „nur“ zwei Platten entscheiden.

So ging ich dann mit den beiden Hüllen zur Kasse und fragte, ob ich die beiden Platten mal sehen könnte und als er sie mir hinlegte, war ich sofort hin und weg.

Das Problem bei solchen Käufen ist nur immer das Problem mit der Musik. Ich war in London und hatte keinerlei Plattenspieler in meiner Nähe und im Netz findet man zu diesen beiden Bands auch nichts verwertbares. Also musste ich warten, bis ich wieder in Berlin war.

Zuhause angekommen, genoss ich noch ein wenig das Äußere der Platten und legte dann die Erste auf.

Phoenix Bodies – Raise the Bullshit Flag

Ich finde es immer wieder erstaunlich was für Platten von relativ unbekannten Bands rausgebracht werden. So enthält die Phoenix Bodies Platte alles, was ein Vinylherz höher schlagen lässt. Neben der wunderschönen halb durchsichtigen und halbroten Platte befinden sich in der Hülle ausserdem noch ein kleines Poster, ein großes beidseitig bedrucktes Textblatt und zwei Sticker. Bei erfolgreicheren Bands kann man bei weitem nicht so viel erwarten, weil man oft schon allein glücklich ist nur 17 Euro für eine Platte ohne Extras bezahlen zu müssen.

Die Platte selbst ist von 2006 und erschien in einer Gesamtauflage von 1200 Kopien, dabei erschienen 500 in meiner Variante, nochmals 500 halb schwarz und rot und 200 in schlichtem Schwarz.

Eine weitere kleine Besonderheit ist, dass diese

Platte als 12“ auf 45 rpm läuft und deswegen eine Spielzeit von ungefähr 15 Minuten hat.

Die Musik befindet sich meines Erachtens noch im hörbaren Bereich, es ist stellenweise sehr guter Hardcore nur leider driften die Jungs in jedem Song in Grindcore ab, was überhaupt nicht meinem Geschmack entspricht. Aber wenn man in der richtigen Stimmung ist, kann man sich diese Platte durchaus anhören und nach mehrmaligem Hören gefiel es mir auch immer besser.


Jets vs. Sharks – These tired Monuments

Die zweite von mir in London erstandene Platte ist das Mini-album „These tired Monuments“ von Jets vs. Sharks. Auch nach dieser Band hatte ich bereits im Internet gesucht, aber ebenfalls nichts gefunden. – viel mehr als Infos über die Westsidestory kam da nicht rum – Also musste ich mich auch bei dieser Platte in Berlin überraschen lassen.

Sie kommt in einer schlichten Weissen Hülle die nur auf einer Seite mit einem Logodruck versehen ist. Im Inneren befindet sich dann ein sehr schöner Bogen Pergamentpapier auf dem die Credits und die Danksagungen gedruckt sind. Ausserdem findet man einen kleinen A6 Zettel mit den Texten, der aber weitaus bescheidener ausfällt.


Die Platte selbst ist halb weiss und halb braun, was mich irgendwie an Süßigkeiten erinnert. Sie ist nur einseitig bespielt und hat zwei weisse Labels. Auf der einen Seite ist ein Stempel aufgebracht worden und auf der gleichen Seite wurde die Platte handnummeriert.

Das Album ist am 27 Mai 2005 mit einer Auflage von 330 Exemplaren erschienen.

Die Musik ist einfacher gut gemachter Hardcore der ganz gut nach vorne geht. Ab und zu baut die Band kleine Cleanpassagen ein und es macht wirklich Spass dieses Mini-album zu hören. Wenn ihr also einmal darüber stolpert, besorgt euch diesen Schatz!


Das einzige was ich an der Platte aussetzen kann, ist die bescheidene Qualität der Aufnahme und bei Discogs findet man auch den Vermerk: „Engineered, mixed and mastered at The Old Blacksmiths, Portsmouth over various ungodly hours during October 2004 & January 2005.“. Jedoch verschlechtert die Aufnahmequalität nicht die Qualität der Musik und so ist diese Platte wirklich zu genießen.

Links zum Artikel
Foto-Album zu den Jets vs. Sharks
Foto-Album zu Phoenix Bodies

Grizou – Punk aus Berlin

Wir schreiben das Jahr 2009. Ich bin mal wieder auf einem Konzert … und es riecht nach Punkrock. Es spielen zwei mir unbekannte Bands und so trink ich gemütlich mein Bier. Im Nachhinein kann ich nur noch sagen, dass mir die Bandnamen „Grizou“ und „Tischlerei Lischitzki“ im Kopf geblieben sind und es mir irgendwie so vorkommt, als hätte ich schon hundert ihrer Konzerte besucht.
Habe ich aber nicht! – glaubt mir, ich hab nachgeforscht.

Im Jahre 2011 steh ich dann beim Plattenhändler meines Vertrauens und mir fällt eine wunderschöne 7″ in die Hände, auf der ich beide Bandnamen lesen darf und die kurzerhand auch in meinem Plattenschrank landet. Eine tolle Wiederentdeckung, die durch das wenig später entdeckte Album von Grizou noch verfeinert wird.

Die Musik
„Auf dem Weg in ein besseres Leben bin ich aufgehalten worden noch das Glas Sekt in der Hand“ (Grizou: Kugelfeuer). Bands in musikalische Schubladen schieben ist wie bunte Schmetterlinge nach Farbe sortieren. Nichtsdestotrotz ist es nett, kurz und knapp den Sound einer Band beschreiben zu können. Nun, mich erinnern Grizou ein wenig an Captain Planet und gehen darüber hinaus. „10.000km entfernt von dem, was sich Heimat nennt und alles fühlt sich besser an, als das was man kennt“ (Grizou: Haengematte rulez) – nachdenklich/emotionale Texte gepaart mit abwechslungsreicher Musik, die von Emo-Punk zu Indie-Einflüssen und über wippende Beine zurück in dein Gehirn rennt, lassen mich nicht verstehen, warum die Berliner Kombo so knadenlos unbekannt ist. „Es sind die Momente die zu Tagen werden und quälen und quälen und quälen und länger als man glaubt“ (Grizou: Das Leben ist schön) – genau so fühlt man sich, wenn man die schönsten Textzeilen der Band sucht und merkt, dass es viel zu viel tolle sind – das erinnert ein wenig an ein Nagel-Dilemma.
Im Prinzip kann man nur sagen: hört unbedingt mal rein!


lock < -> open vom Album „Grizou“

Releases
Ihr Album „Grizou“ aus dem Jahre 2008 enthält 11 Songs, unter denen auch die oben zitierten sind. Die 12″ Platte kommt mit einer CD-Ausgabe des Albums und mit einem Do-it-yourself (DIY) Booklet. Es ist handnummeriert und die Auflage beträgt 500 Stück. Zu der Musik ist schon genug gesagt, hinzuzufügen ist nur noch, dass dieses Album wunderschön gestaltet ist.

Künstlerisch wird die 12″ aber noch von der 7″ Split mit Tischlerei Lischitzki die 2010 erschien, übertroffen. Auf dieser Platte sind 2 Songs pro Band – „punkrock08″ und „shoppingparadies welt“ sind 2 bis dahin unveröffentlichte neue Songs. Auch hier ist ein tolles DIY-Booklet dabei und dazu gibts auch einen Download-Code.

Ebenfalls 2010 kam eine 10″ Split mit Leistungsgruppe Maulich namens „Flammenpost“ heraus. Neben 2 Covern von Lieder der „Leistungsgruppe Maulich“ ist darauf das vorher nicht veröffentlichte Lied „Splitter“ zu hören. Die Leistungsruppe covert „look < -> open“ und „flaschenpost“ von Grizou. Leider können wir euch zu diesem Release keine Bilder zeigen, weil es noch nicht in unserem Plattenschrank liegt, aber so viel sei gesagt: die 10″ ist weiß und hat ein Gatefold-Cover.

Im Shop der Band gibt es übrigens ein Angebot, bei dem ihr nur 20€ für alle 3 Platten inkluse Versand zahlt.


Gehrinzellenmassaker von Grizou

Interview mit Dirk und André

Hey Leute! Euer letztes Album ist aus dem Jahre 2008. Ist denn mittlerweile ein neues geplant?

D: Hmm, ja das ist wohl so. Wir ertappen uns dabei, wie wir immer öfter darüber sprechen – ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir langsam genug neues Material am Start haben und auch alle Bock drauf haben nochmal den ‚Marathon‘ des Platte-Aufnehmens und Rausbringens zu absolvieren. Wenn alles so klappt, wie wir denken, dürfte das Teil gegen Ende 2012 rauskommen. Vinyl ist gesetzt, wir denken aber schon viel über andere/günstige Zweitformate nach; dabei geht es Richtung individuelle Optik/Haptik + Download. Mensch darf gespannt sein.

In eurem „Online-Shop“ vertreibt ihr nur Schallplatten. Ist euch privat auch Vinyl lieber?

A: Also ich kaufe mir nach wie vor sehr gerne Vinyl und habe es auch „lieber“ als meine digitalen Tonträger, auch wenn ich nicht mehr die Zeit finde, mir meine Platten in Ruhe anzuhören. Am meisten nutze ich allerdings meinen MP3-Player, da die Zeit beim Radfahren momentan für mich den größten Freiraum für Musikhören darstellt. Von daher immer cool: Vinyl mit Downloadcode!

D: Ich kaufe mir ausschließlich Vinyl. CDs sind unsäglich, MP3s praktisch, aber das hat alles keinen Wert für mich. Ich liebe es Platten in der Hand zu halten, das Artwork, Beipackzettel, die Haptik, das Knistern beim Auflegen. Platten lassen soviel Platz zum medial austoben! Klar, es gibt auch lieblose Negativbeispiele, aber im Allgemeinen steckt in Platten viel mehr Herz drin. Und sie klingen besser :-)

Ihr seit ja Berliner_Innen – spielt ihr am liebsten „zu hause“ oder gibt es einen anderen Ort an dem ihr auch sehr gern spielt?

A: Hm – naja, gezwungener Maßen ist das schon Berlin, denn Booking ist ein sehr undankbarer Job, den wir selbst erledigen müssen und dieser sich alles andere als erfolgreich beschreiben lässt. Aber eigentlich bin ich lieber auf Tour und freu mich auf viele interessante Begegnungen. Und mir fällt neben Berlin sofort Hamburg ein, wo es immer toll für uns war. Das war dann auch schon irgendwie verbunden mit einem Gefühl von „nach Hause kommen“. Liegt aber sich auch an unseren Freunden aus dem Norden, den Maulichs (Ex-Leistungsgruppe Maulich), die dort ansässig sind.

D: Berlin ist immer wieder großartig, allein schon wegen den vielen Freunden und bekannten Gesichtern die wir immer wieder auf Konzerten treffen. Zweites Zuhause ist für mich das Nexus in Braunschweig(toller Laden/tolle Menschen) und natürlich Hamburg.


Wie würdet ihr selbst eure Musik beschreiben?

A: Pffffff!!!! (Achselzucken!)

D: In einem Blog wurde mal geschrieben: „Emotional Punk in a good sense“. Damit können wir alle gut leben.

Und was hört ihr so am liebsten?

D: Leatherface, Pascow, Duesenjaeger, Samiam, Latterman, Monochrome, Joy Divsion, David Bowie, B. Fleischmann, Schneller Autos Organisation, Hot Water Music, Koyaanisqatsi, Der Raketenhund, I refuse, Herr Neumann, Verbrannte Erde. Das war jetzt eine Momentaufnahme. Morgen ständen da wahrschenlich viele andere Bands…

A: Momentan höre ich noch immer sehr gerne die letzte Leatherface „The Stormy Petrel“ oder Hot Water Music „Till The Wheels Fall Off“ und auch Jaakko and Jay „War is Noise“. Und immer dabei: Pixies, EA80, Spermbirds, Kaput Krauts, Maulich, Cobra Skulls, At The Drive-In…uva.

Wir stehen ja kurz vor dem Jahresende … Was war denn euer Album 2011? Oder anders gefragt, welche Platte hat eure Nadel quasi zum glühen gebracht?

A: Siehe oben!

D: Album 2011? puh. Am meisten lief bei mir Pascow – Nächster Halt gefliester Boden. Ist aber nicht von 2011, klar. Beste Platte 2011? The Stormy Petrel von Leatherface.

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Punkrock for lovers

Nein, Kotzreiz machen nicht Musik für Jeden und ja, manche Menschen meinen eventuell sowas in ihrer frühen Jugendphase gehört zu haben und mittlerweile mehr „Anspruch“ zu haben. Für alle, die sich aber nicht gleich gegen Punkrock for lovers wehren, versuch ich in diesem Artikel zu zeigen, warum man sich mit dieser Band ruhig mal beschäftigen kann.

Was Kotzreiz höhrenswert macht
Nun zum Ersten soll es ja Menschen geben, die gern härtere Musik hören. Ich für meinen Teil höre, neben den ersten Ablen von Marius Müller Westernhagen, auch gern Hardcore oder Punkrock beim Verfassen meiner Hausarbeiten. Da kann ich mich einfach besser konzentrieren und die Musik motiviert mich. Und das ist denke ich der Punkt – die Musik von Kotzreiz gibt Kraft … und ist nebenbei noch witzig.

Zweitens haben die Berliner Jungs auch noch echt gute Texte. Das will ich an 3 Stücken einmal exemplarisch aufzeigen. Dafür schaue ich mir die Lieder: „Bauarbeiter stuerb“, „Ferhseh´an“ und „Fressenbuch“ an.

Bauarbeiter stuerb
Ihr Album heißt „Du machst die Stadt kaputt“, was eine Zeile aus dem besagten Lied ist. Thematisiert wird die in Berlin recht schnell voranschreitende Gentrifizierung – dass bezeichnet die Aufwertung eines Kiezes und die damit verbundende soziale Verdrängung. Kotzreiz beschreiben in diesem Song die Gentrifizierung aus der zugespitzten Sicht eines „echten“ Punkers:

Mein Hund scheißt in den Park // weil er ihm gehört.
Ich hör laut Musik // auch wenns euch alle stört.
Die Stadt wird umgebaut // obwohl es keiner will.
Heut steht da ein Lidl // wo einst stand mal mein Grill.

Meiner Meinung nach wird hier zu Recht die fehlende Beteilung der Bewohner einer Stadt an der Gestaltung dieser kritisiert. Bis hierhin befinden sich die Jungs aber noch in der Beschreibung. Ihre literatische Verarbeitung folgt in Strophe 2:

Mein Herz zerbricht in Stücke // wenn die Abrissbirne schwingt.
Die Stadt verliert den Klang // wenn der Bauarbeiter singt.

Mein Herz schlägt Purzelbäume bei solch Zeilen. Es gibt kaum einen schöneren Weg den kulturellen Verlust durch undurchdachte und profitorientierte Stadtpolitik zu beschreiben. Ich hätte nie erwartet so etwas von einer Punkband zu hören. Danach folgt ein Aufruf etwas dagegen zu tun und sich zu engagieren, wie es sich für eine (Polit-)Punkband nun einmal gehört. ;)

Der Refrain lautet:

Bauarbeiter stuerb!
Bauarbeiter stuerb – Du machst die Stadt kaputt!
Bauarbeiter stuerb!
Bauarbeiter stuerb – Erstick in meinem Schutt

und geht damit natürlich einen vereinfachenden Weg, denn natürlich ist nicht der Bauarbeiter daran Schuld, doch ist es, denke ich, legitim ihn für einen „Wacht-endlich-auf-und-tut-was-Song“ als die ausführende Gewalt heranzuziehen.

Und so klingt das mit Musik:

Fernseh´ an
Das Schöne an diesem Lied ist, dass man den Text eigentlich nahezu gar nicht kommentieren muss.

Ich glaube nicht an Jesus und auch nich doll an RTL
Ich trinke jeden Tag und bin nich besonders hell.
Ich bin Versager und wähl die CDU
Ich stinke ausm Maul und seh genauso aus wie du!

ich wach auf und tue das was ich am besten kann ……….
ich schalt den Fernseh´an

Übertreibung sind ein Mittel zur Unterstreichung der Argumentation und sind hier besonders eindrucksvoll. Konsum-, Medien-, Fernsehkritik auf den Punkt herausgearbeitet und die nächsten 2 Zeilen werden noch besser:

Ich habs am liebsten billig und so richtig primitiv
Pro7 ist der Teufel und der Haussegen hängt schief

An dieser Stelle wird auch das Textprinzip der Punkband sehr deutlich. Die Texte sind sehr kurz – maximal 2 Strophen mit gefüllt meist 4 Zeilen – mal mehr mal weniger. Andererseits ist das, nach meinem Emfpinden, für die Musikrichtung völlig ok.
Nur am Rande: Zu Beginn des Liedes ist auf dem Album ein Sample eingespielt, in dem jemand den Streit der kritischen Rationalisten um Karl Popper und der Frankfurter Schule mit einer kritischen Theorie zusammen, der sich um die Frage, ob Wissenschaft nur beobachten und analysieren oder auch kritisieren und eingreifen darf. Der Gegensatz dieses Einspielers und des Textes, sowie den weiteren Einspielern verdeutlicht, dass die Jungs sich viele Gedanken machen.

fressenbuch
Neben dem Lied „Gefällt mir“ von F.R. ist „fressenbuch“ schönste Kritik an der Abhängigkeit von dem Medium Facebook.

Ich hab grad gesehn du bist jetzt single!?
Das geht dich doch n´ Scheißdreck an du Schlingel!

Fressenbuch!
Du gefällst mir nicht!

[…]

Endlich bin auch ich in einer Gruppe!
Ich bleib zu haus das echte Leben ist mir Schnuppe!!!!

Ohne Worte!

Ihr Album
Natürlich gibt es auch andere Lieder mit weniger Tiefgang auf dem Album. „Blutpopel“ zum Beispiel ist keine 30 Sekunden lang und enthält lediglich eine schnelle Wiederholung des Liedtitels. Dennoch ist es ein, wie finde, sehr gelungenes Album. Simon hat auch beim ersten Hören den Kopf geschüttelt. Andere Meinungen sind also durchaus möglich und vielleicht schadet es nicht, sich ein wenig reinzuhören. Ich empfehle die Lieder „Berlin“, „Bauarbeiter stuerb“ (beide hier eingebettet), „Leinen los“ oder „Fernseh´ an“. Zu den Fakten: die Vinylausgabe ist auf 500 Stück limitiert, der Song „fressenbuch“ ist ein Vinylbonustrack, erschienen ist das Album auf Agressive Punk Produktionen und ist auch dort im Shop erhältlich. Ach und wer sich wundert, warum bei Youtube beim Abspielen von Kotzreiz-Videos Sachen von Jennifer Rostock vorgeschlagen werden, dem sei gesagt, dass Baku aka. Reiz Drummer beider Formationen ist.

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Facebook-Seite von Kotzreiz
Hier gibt´s das Album
noch mehr Fotos von der Platte im Fotoalbum


Panic! At the discoQuelle: Facebook


Billy TalentQuelle: Facebook

Einkäufe II

Ich war gestern auf einer Plattenbörse im Berliner Velodrom unterwegs. Und das habe ich da gefunden: :)

Die Platten sind (der Reihenfolge nach):
Panic! At the disco – I write sins not tragedies
Billy Talent – Red Flag
Billy Talent – Devil In A Midnight Mass

Links zum Artikel
Facebook-Seite von Panic! At the disco
Facebook-Seite von Billy Talent